Besichtigung von Latitude21, das Haus für Architektur und Umwelt im Großraum Dijon

Am Sonntagmorgen treffen wir uns nach einer kurzen Nacht zu den letzten Aktivitäten des Wochenendes.
Wir besichtigen Latitude21, die Einsatzstelle von Christiana, einer weiteren deutschen Freiwilligen des DFÖJ-Programms.

Christiana-SebastienDer Leiter des Hauses, Sébastien Appert und Christiana erklären uns, wie das Gebäude renoviert wurde, so dass es so wenig wie möglich Energie braucht. Es ist jetzt ein Vorzeigebeispiel für die Stadt Dijon, die nur noch öffentliche Gebäude und Wohnungen mit niedrigem Energiebedarf baut. Das Latitude21-Gebäude zeigt auch, dass es möglich ist, gemütliche ökologische Gebäude zu bauen!Latitude21

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Latitude21 organisiert viele Ausstellungen und koordiniert auch Aktivitäten und Pädagogiktreffen in den Schulen. Kürzlich hat Latitude21 eine interaktive Ausstellung eröffnet, die einen fiktiven Supermarkt darstellt, dessen Kunden die Produkte nach der Art ihrer Verpackungen auswählen sollen.

Nach einer Besichtigung des Gebäudes machen wir zusammen eine Auswertung des Projekts „Vert chez toi / Wie grün bist du?“ Für viele Jugendliche war es das erste deutsch-französische Treffen.eval eval2fin week end

Alle Teilnehmer waren sehr zufrieden, zusammen gekommen zu sein und gemeinsam in interkulturellem Kontext interessante ökologische Themen betrachtet und diskutiert zu haben.
Vor der Verabschiedung überlegten wir noch in kleinen Gruppen, wie wir in Kontakt bleiben und dieses Abenteuer zusammen weitermachen könnten!weiter gehen tschuss groupe

Abend den Freiwilligen

Nach der Diskussion bedanken wir uns bei der große Familie von La Bussière und fahren zurück nach Dijon. Wir haben freie Zeit, um die Stadt noch ein bisschen zu besichtigen, die französische Pâtisserie zu probieren oder zusammen zu diskutieren, wie und wann wir uns nochmals treffen und was wir in Zukunft zusammen machen könnten.

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Abends treffen wir uns alle im Restaurant Shanti, einem vegetarischen Restaurant mit orientalisch-indischer Stimmung, um zusammen ein geselliges Abendessen zu verbringen. Nach dem Essen veranstalteten die französischen Freiwilligen für die deutschen Gäste eine Party in Dijon.

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Wie können wir eine nachhaltige Landwirtschaft fördern?

Nach dem leckeren Mittagessen machen wir aus den Strohballen einen Kreis, um noch mal zusammen zu diskutieren.
In gemischten Gruppen fragen wir uns dieses Mal, was wir in unseren Alltag machen können, um eine nachhaltigere Landwirtschaft zu fördern.

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Hier die Zusammenfassung:

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  • Um eine nachhaltigere Landwirtschaft zu fördern und leckere und gesunde Produkte zu essen ist es besser, regionale saisonale Produkte zu kaufen, die die lokale Wirtschaft stimulieren.
  • Als Verbraucher ist es wichtig für mich, dass die Produkte in ausreichender Menge verfügbar sind, dafür gibt es auch Biosupermärkte.
  • Für den Verbraucherschutz ist es nötig, Informationen über die Produkte zur Verfügung zu haben, die Herkunft zu kennen, die Präsenz von Gentechnik zu erkennen etc.

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  • Was kann ich persönlich tun, gesundere Produkte zu essen? Gemüsekisten bei einer AMAP bestellen, selbst anpflanzen und kompostieren („Urban Gardening“), ein Stück Land bei Landwirten bewirtschaften, Bewusstsein schaffen, Kirchen und Schulen einbinden, Fleisch durch Pflanzenproteine und Leguminosen so oft wie möglich ersetzen, gegen den Agrarindustrielobby demonstrieren…?

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  • Ist es besser bio oder lokal zu kaufen? Es ist uns wichtig als Verbraucher bio zu essen, unsere Gesundheit vor Pestiziden und Gentechnik zu schützen, aber auch die Umwelt vor Chemikalien und Gift zu schützen. Die biologische Produktion schafft auch viele Arbeitsplätze, weil mehr manuelle Arbeit nötig ist.
  • Eigentlich verursacht die konventionelle Landwirtschaft höhere Kosten für die Gesellschaft: das Wasser muss gereinigt werden wegen Pestiziden, hormonelle Probleme und weitere Krankheiten treiben die Gesundheitskosten in die Höhe.
  • Ist « bio essen » nicht immer gut, weil es auch eine « Bio »-Industrie gibt, z.B. mit tiefgefrorenen Bio-Pizzen? Ist eine tiefgefrorene Bio-Pizza zu essen gesünder als einen konventionellen Apfel zu essen? Die Präsenz von tiefgefrorenen Pizzen in Biosupermärkten kommt aus der Tatsache, dass viele Leute nicht mehr kochen…

 

Unseren Tag auf dem Bauernhof La Bussière

Am Samstag Morgen treffen wir uns wieder nach einem geselligen Abend zusammen. Nach dem Abendessen im restaurant haben die deutschen Freiwilligen bei ihren französischen Tandempartnern übernachtet.

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Trotz den großen grauen Wolken nehmen wir am Samstag unsere Regenschuhe und Regenschirme mit und fahren wir zusammen nach Flagey-les-Auxonne zur Freme de La Bussière von bei Félicien und Bernard Krempp. In dem Atelier, wo die Gemüsekisten vorbereitet werden, erzählt Félicien und sein Vater Bernard die Geschichte des Bauernhofes. In den sechzigen Jahren ist dem Vater von Bernard bewusst geworden, dass die Regierung nach dem Krieg eine intensive Landwirtschaft fördert, die seinen Boden total erschöpft und zerstört. Er wollte bereits Konkurs anzumelden, als er Fachleute traf, die ihm erklärten, wie der Boden zu heilen und eine nachhaltige Landwirtschaft zu betreiben ist, die mehr Respekt für die Mikrobiologie des Bodens hat.grange

Seitdem produziert der Bauernhof La Bussière biologisches Fleisch und Gemüse in Respekt gegenüber dem Boden: Bernard zeigt uns die Würmer in einem Feld und erklärt wie wichtig diese Tiere für das Leben des Bodens sind.

versdeterreFélicien erzählt wie er als Jugendlicher einmal und dann mehrmals auf dem Bauernhof geholfen hat, dann eine Ausbildung machte, um den Bauernhof im Bereich Gemüsebau zu spezialisieren. Er wohnt auf dem Hof mit seiner Frau, seinen zwei Mädels und Philipp, einem deutschen Freiwilligen. Telse ist auch deutsche FÖJ-Freiwillige und wohnt mit Bernard und seiner Frau Agnès. Sie betrachten sich als eine große Familie, auch mit den Kühen, Schafen und Hühnern.
Félicien erklärt uns auch, wie das Gemüsekisten-System funktioniert. « De la Terre à l´assiette » ist nicht wirklich eine AMAP (Association pour le Maintien de l´Agriculture Paysanne = Verein für eine nachhaltige bäuerlische Landwirtschaft), weil es eine Landwirtskooperative ist. Die Landwirte arbeiten zusammen, um den Kunden abwechslungsreiche Kisten anzubieten: La Bussière produziert meistens Wurzelgemüse (Karotten, Pastinaken…), andere Landwirte produzieren Obst und andere Gemüse. Die Kunden können ihre Kisten alle 2 Wochen bekommen, nicht unbedingt jede Woche, und sie müssen die Kisten auch nicht während eines ganzen Jahres kaufen, im Gegenteil zum AMAP-System.
Wir essen dann zusammen das leckere Mittagessen, das die Freiwilligen Philipp und Telse für uns gekocht haben. Die Suppe und die Soße für die Nudeln sind mit Produkten aus dem Bauernhof zubereitet. Und wir essen glücklich zusammen auf Strohballen zwischen den Kühen!Philipthelse

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Atomkraft vs. erneuerbaren Energien?

Die deutschen und französischen Freiwilligen sowie die Mitglieder von BUND und Les Amis de la Terre trafen sich in gemischten Gruppen. Hier eine Zusammenfassung der Diskussionen:

  • Atomkraft in Frankreich und Deutschland: Frankreich produziert ungefähr 75% ihres Stroms durch Atomkraft, Deutschland zurzeit unter 30%. Deutschland versucht den Anteil Schritt für Schritt zu reduzieren, am Ende auf 0%. Frankreich will lieber Atomkraftpotential entwickeln und die Kraftwerke versichern.
  • In Frankreich sagt man nur selten, dass es möglich ist, aus der Atomkraft auszusteigen.
  • Bewusstseinsarbeit ist wichtig, und wenn wir die Mentalitäten zu verändern schaffen, wird die Technik der erneuerbaren Energien schon vorhanden sein.
  • In Frankreich und in Deutschland gibt es Potential für Windkraft in Norden und Photovoltaik in Süden, Photovoltaikanlagen könnte man auf der Atlantikküste entwickeln.
  • Sind alle erneuerbaren Energien immer gut? Ist Atomkraft ganz böse?
  • Können wir noch an die Technik glauben? Sind die Maschinen, die wir heute benutzen, wirklich nötig oder hat die Gesellschaft diesen Bedarf aufgebaut?
  • Das Negawatt-Szenario ist eine Theorie, die rät unseren Energiebedarf drastisch zu reduzieren, Energieeffizienz und erneuerbare Energien zu entwickeln. Zum Beispiel ist die Arbeit der Freiwilligen von UnisCité sehr wichtig, damit die Menschen ihr Verhalten ändern, die Ressourcen nicht mehr zu verschwenden, aber die Technik kann auch helfen, energieeffiziente Wohnungen zu bauen, mit LED zu beleuchten usw.
  • Auf der einen Seite ist umweltpolitische Arbeit wichtig (z.B. vom BUND und Les Amis de la Terre), aber die Menschen sollen auch individuell agieren.
  • Es ist noch wichtig im Kopf zu haben, dass wir Umweltpädagogik machen sollen, aber wenn sich die Leute danach schuldig fühlen, ist das keine gute Strategie.

 

Besichtigung der Stadt Dijon und dem Caf&Co, solidarisch und fair Café

Nachdem wir unsere Tandempartner, die Personen, bei denen wir übernachten werden, kennengelernt haben, besichtigen wir die Stadt zusammen mit den Franzosen von Unis Cité, die die Tour organisiert haben: das alte Theater, den Place Rude, den Senfladen Maille (wo wir eine Senfprobe hatten!), das alte Postamt, die Passage Darcy und den Park mit der Bär-Pompom-Statue.
Wir treffen uns dann im Caf& Co, einem sehr besonderen Café.
Miriam, eine deutsche Freiwillige des DFÖJ-Programms, arbeitet hier.
Mit ihrem Chef Franck erklären sie die Geschichte und die Philosophie des Cafés. Das Café wurde von 2 Studenten gegründet, renoviert und mit Recycling-Material ausgestattet, es funktioniert mit Ehrenamtlichen. Miriam und die Ehrenamtlichen servieren und machen Werbung für Produkte aus Fairem Handel.
Das Café wird oft von Jugendliche und Familien besucht, auch wegen seiner regelmäßigen Aktivitäten: Gitarren- und Näh-Ateliers, Sprachcafés, usw. Das Café bietet eine angenehme Atmosphäre zum Diskutieren, deswegen haben wir dort unsere erste Diskussion zwischen Jugendlichen, dem BUND und les Amis de la Terre organisiert.

Der Ankunft im Haus Rheinland-Pfalz

Nach 5 Stunden Fahrt in den Minibussen kommen endlich die deutschen Freiwilligen und die Leute vom BUND in Dijon an! Ein kleines Goûter mit Saft und Kekse war für uns organisiert, und wir machen eine Kennenlernrunde. Ein Journalist von Le Bien Public ist dabei, uns zu interviewen.
Till Meyer und Ulrike Krink vertreten das Haus Rheinland-Pfalz: dieses deutsch-französische Haus führt u.a. Ausstellungen, Vorträge, Sprachkurse durch und ermöglicht viele Deutsch-Französische Treffen.
Jochen Frey, der Koordinator des Deutsch-Französischen Ökologischen Freiwilligendienstes, stellt dann das Projekt vor, das Bertille Kapela („Arbeit beim Partner“-Beschäftigte) und Alexandra Lafont (französische Freiwillige beim BUND) organisiert haben. Die Organisation FÖJ-KUR betreut nicht nur das Freiwillige Ökologische Jahr für Deutsche in Deutschland, sondern auch das deutsch-französische Programm.
Danach sind die französischen Freiwilligen von UnisCité aufgefordert, ihre Arbeit vorzustellen. Sie arbeiten mit Familien, Kindern und Jugendlichen in den Dijonnaiser Vierteln « Les Grésilles » und « Talant », um ihnen ökologische Verhaltensweisen zu zeigen, zu den Themen Wasser- und Stromsparen, weniger Ressourcen konsumieren und weniger Müll produzieren. Sie organisieren auch solidarische Veranstaltungen gegen Lebensmittelverschwendung Konsumverhalten – mit den „Restos du Coeur“, einer „FoodBank“ und „Emmaüs“ haben sie einer Lebensmittel-  und einer Spielzeugsammlung teilgenommen.

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Auch die deutschen Freiwilligen stellen ihre Einsatzstellen und Tätigkeiten vor, z.B. Arbeiten in einem Kräutergarten, auf einem Bauernhof, bei einer Energieagentur, im Bereich Ornithologie, in einem Umweltamt etc.

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Am Ende der Präsentation erklären der BUND Rheinland-Pfalz und Les Amis de la Terre Côte d´Or, die zwei Teile von der selben internationalen Organisation Friends of the Earth sind, ihre Aktivitäten. Der BUND Rheinland-Pfalz hat schon viel Erfahrung, da er dieses Jahr sein 40. Jubiläum feiert. Mit einer Basisdemokratie-Struktur geben die BUND-Ortsgruppen dem Vorstand Ideen. Diese Ideen werden in Arbeitsgruppen mit Experten diskutiert, danach macht die Landesgeschäftstelle Kampagnen über verschiedene Themen (z.B. Wasser, Energiewende, Biodiversität und Natuschutz).

BUND

Les Amis de la Terre Côte d´Or haben sich im Juli 2012 aus unterschiedlichen kleinen Umweltverbänden in Dijon gegründet. Bisher haben sie Aktionen gegen die Konsumwerbung in Dijon organisiert (die für sie eine visuelle Umweltverschmutzung ist), sie haben auch an der Menschenkette gegen Atomkraft in Paris im März 2013 teilgenommen und starten gerade eine Petition gegen Pestizide in öffentlichen Grünflächen in Dijon. Hier gehen Sie zu ihrer Webseite: http://www.dijon-ecolo.fr/